Höhlen

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Ich warte auf ein kleines Frühsommerkind. Ich trug es lang als Geheimnis mit mir herum. Teils wegen eines Arbeitsvertrags, der erst lächerliche zwei Monate, dann gar nicht mehr verlängert wurde. Mein Versuch, den Bauch einzuziehen, der auch unschwanger eine Rampensau ist, vor Vertragsablauf gescheitert. Ein Geheimnis auch, weil ich Schwangerschaften lieber in Höhlen verbringe.

Das ist mein Dilemma. Ich wünsche mir, zelebrieren zu können, dass da jemand unterwegs ist, mir mit Vorfreude schöner machen, was da kommt, alles auskosten, was nur vergeht. Zur perfekten Jahreszeit, um meinen Geburtstag herum. Hundert Jahre nach der Geburt meiner liebsten Urgroßmutter. 2017. Ein erfüllter Wunsch. Ein Fest.

Aber, aber. Soviel ich alles teilen will, so unbehaglich find‘ ich die Folgen. Als es nicht mehr zu verbergen war, ich fast dachte: „endlich“, sprechen mich Nachbarinnen darauf an, wägen ab, ob mein Bauch für den errechneten Geburtstermin groß oder eher nicht groß sei, während ich daneben stehe. Die Kommentare zu meinem Körper, um die ich nie bat. Die Fragen nach dem Geschlecht, auf die ich so dicht antworten könnte, aber dann bin ich zu müde für mehr als ein Achselzucken. Wie wenig ich es mag, primär als Mutter gesehen zu werden, und dann will ich lieber gar nicht gesehen werden und mich in einen Kobel zurückziehen. Klassiker: Scham für Sichtbarkeit, Verwundbarkeit. Can’t have it all, can’t deny it all.

Und jetzt, sieben Monate Winterschlaf später, mal aus der Höhle lunzen. Ich will diese Schwangerschaft, die eine letzte sein könnte, nicht einfach so verstrichen wissen. An sich ist sie so nice. Ich erbreche mich nur beinah täglich, bin vergleichsweise ausgeglichen, gönne mir alles, was ich mir wünsche. Und habe Hebammenbetreuung für eine Hausgeburt, endlich. Was ich mir wünsche, ist nicht nur ein lebendes Geschwisterkind für das Kind, das ich bereits großziehe, ich will auch in der Hand behalten, wie dieses neue Kind kommt. Mir den Weg dahin zur entspannten Party machen.

Also raus mit dem monochromen Konfetti. Ich habe Mutterkuchen mitgebracht.

 

 

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