7.12.

Kindergartenweihnachtsfeier. Das Kind macht mit einem Percussionsinstrument Musik bei einem Theaterstück und wir warten auf den Einlass wie bei einem Boybandkonzert. Alle Handys gezückt, Feuerzeuge braucht es nicht mal mehr für Kerzen. Das Schönste ist, wie, als alle schauspielenden Kinder sich zum Applaus hinstellen, unser Kind als einziges musikmachendes Kind aufsteht, sich mit Schwung verbeugt und wieder hinsetzt. Ich mache Fotos mit der Spiegelreflexkamera und habe keine Speicherkarte drin.

Vor einem Jahr war das Kind eine Schneeflocke, die zusammen mit anderen Schneeflockenkindern zum Gesang von „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ tanzen sollte. Es blieb als einziges Kind sitzen, traute sich nicht, und ich dachte mit von Liebe schwerem Herzen: „MEIN Kind!“ Mein großes, mutiges, leichtes Kind. Was ein Jahr macht.

Andere Kinder beim Spielen beobachten. Kinder beim Streiten beobachten. Wie sie Argumente austauschen, während sie sich an der Wand reiben, während sie gleichzeitig am Daumen lutschen. An irgendetwas muss man sich ja festhalten.

Es ist in Ordnung nicht mehr drei vier fünf sechs zu sein. Niemand bestimmt mehr in meinem Beisein, ob ich mitspielen darf oder nicht. Es ist okay, irgendwann selbst nicht mehr mitspielen zu wollen, Spielstopp, und am Rand eine Pause zu machen. Zu wissen, was man mag und braucht, es super duper legitim finden.

Eine Pause brauche ich nach der Feier, viele große Menschen in kleinen Räumen, auf kleinen Stühlen, ich möchte lieber ein kleiner Mensch alleine in einem großen Raum sein und bekomme das geschenkt, als wir wieder zuhause sind. Kopf ins Kissen, Schlafzimmer nur für mich.

Da denke ich an gegen einen Kummer. Mache mir Sorgen um ein Uni-Seminar, an dem ich gerne teilnehmen würde. Es kommt alles dazwischen und ich habe noch nicht mal einen Platz sicher. Niemand bestimmt mehr in meinem Beisein, ob ich mitspielen darf? It‘s some subtle shit. Ich möchte gerne mitmachen, aber ich weiß nicht nur nicht, ob ich darf, oder was ich tun muss, um zu dürfen, sondern auch nicht, ob ich es schaffe. Oder mit Aufwand schaffen will.

Morgen wird also anstrengend mit Lohnarbeit, Gerichtstermin und Uni (read as: Platz im Blockseminar erbetteln), wird anstrengend mit Handpumpe statt Baby von 9 bis 19 Uhr. So viele Sachen auf einmal, sie auszuführen kommt mir vor wie Fiktion. Und dann flattert abends eine Ladung vom Gericht rein, weil spontan ein Termin vor den Termin gelegt wurde. Scherzkekse.

Ich liege zum Schlafen im Bett, mir klebt Schokolade im Auschnitt. Ich liege zum Schlafen im Bett und werde es wegen allem jetzt wirklich tun. Schlafen.

 

 

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