3.12.

Rotkribbelige Lippen. Eine Nase, die da juckt, wo wohl ein Tropfen festhängt. Lider, die müde pieksen. Wenn ich mir mit einem Papiertaschentuch die Nase putze, bringe ich Staub ins Spiel, es hilft nicht. Eine Unzufriedenheit, die dem Tag nicht gerecht wird.

Ich finde nicht ins Bett, obwohl ich bereits darin liege. Weil ich zu lange gewartet habe und „bereits“ ein Euphemismus ist. Weil ich auf dem Weg von Sofa zu Bett das schlafende Baby geweckt habe, das sich zuvor auf meiner Brust in den Schlaf gehustet hatte. An meiner Haut zieht es und ich finde nicht zur Ruhe.

Geweckt wurde ich heute früh vom großen Kind, als es rief: „Es schneit, Mama, es schneit!“ Es schneite einfach den ganzen Tag weiter. Er blieb liegen, der Schnee, ganz anders als ich. Er liegt noch, teils stadtmatschig, er liegt und macht die Nacht heller und weich. Ich bin in Denial, obwohl ich eine elektronische Erinnerung las, dass es gestern vor einem Jahr auch geschneit hatte. Habe nicht damit gerechnet, wollte mich nicht trauen, es zu erwarten. Schnee, vor Weihnachten. Im warmen Talkessel. Im Klimawandel, keine Ahnung. Und trotzdem Glück. Traue mich nun nicht, zu erwarten, dass das länger hält, dafür den Tag über alles aufgesaugt. Schnee gegessen. Geguckt. Gejuchzt. Rote Finger, Blitze auf den Wangen. Es sieht einfach alles so schön aus, so. Von draußen, mit beißender Luft, von drinnen sowohl vom Sofa aus, eingemümmelt zur Sendung mit der Maus, oder bei der Lohnarbeit, wo es meine Blicke beiläufig nach draußen zieht, ich Flocken wehen sehe. Alles still. Kokon. Es ist magisch, ich weiß es nicht anders zu sagen. Wie im Bilderbuch. Wie Fiktion eigentlich. Aber ganz echt, kalt, nass, schmackhaft.

Die warme Hand des Babys kitzelt mein Kinn. Es schläft schon wieder und mich juckt es nur noch zwischen zwei Zehen. Ich werde mich langmachen, um die Nachttischlampe auszuschalten, und dann werde ich einfach die Augen schließen. Sie ausruhen lassen. Sie kühlen, in Gedanken, mit einer Handvoll Schnee. Allein das Wort. Schneeeee. Es ist so schön und ich dankbar.

 

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