spring beginnings

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Geschenk von Jademond. Gewachsen von Oktober bis März. Und draußen dann mal alle Blumen so: yeah, wir auch. Ja?

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complexity of compliments

Eine Parteiveranstaltung, später Abend. Ich sitze mit einer Freundin am Tisch, nur wir beide, die meisten Menschen sind schon gegangen. Wir machen uns Komplimente, wir lachen, da kommt ein alter Mann mit Weinglas. Er setzt sich zu uns, ohne zu fragen, wir kennen ihn nicht. Er beginnt zu erzählen und ich bin skeptisch. Er ist angetrunken und ich vermute Aufdringlichkeit. Er holt aus: wie er sich vorher mit Hilmar Hoffman unterhalten habe, der sei ja schon 87, das müsse man sich mal vorstellen, 87! Ich denke, komm zum Punkt, denke, was willst du von uns? Na, und der Hilmar Hoffmann, was der alles geleistet habe, na, und als er vorhin mit ihm sprach, da habe Hilmar Hoffman ihm gesagt, dass gar keine schönen Frauen auf dieser Veranstaltung seien. Ach wirklich? Ich ahne, was das wird, ich kann fast voraussagen, was als nächstes kommt. Da habe er (der jetzt bei uns sitzt) widersprechen müssen, ZWEI schöne Frauen habe er gesehen. Dem Hilmar habe er sie nicht zeigen können, der konnte sie leider nicht sehen, hehe, aber die zwei schönen jungen Frauen sitzen jetzt vor ihm (der jetzt bei uns sitzt). Er holt Flyer seines Vereins raus (Kultur für alle, fyi), ich habe kein Interesse an seiner Anwesenheit, lächle nicht und verschränke die Arme. Die Freundin lächelt, sie lächelt so gut wie immer, ist auf eine Weise höflich und lieb, die ich bei Fremden aufgegeben habe. Er merkt das, versucht, lieber sie anzusprechen, sagt, er sei kein Staubsaugervertreter. Ich sage: „Und wir sind nicht zur Dekoration hier.“ Ich bin genervt. Er steht auf, sagt „Ich geh ja schon, ich geh ja schon“, ist pampig „Man wird doch wohl noch ein Kompliment machen dürfen!“ und ich staune. Menschen sagen das in echt? Dann erklärt er noch, dass man ihm auch sagen solle?dürfe?, wenn er hässlich sei, aber diese Chance nehme ich nicht wahr.
Sie und ich setzen unser eigenes Komplimentefest fort, sie bedankt sich dafür, wie ich auf ihn reagiert habe, fand ihn ebenfalls unangenehm und ist froh, dass er weg ist.

(ich bin allen dankbar, die unter #aufschrei und darüber hinaus ihre Geschichten geteilt haben, weil sie mich schulten, sowas schneller zu erkennen, weil sie mir Mut machten, so einen Quatsch nicht zu akzeptieren. Take no shit, no more.)

Für die, die es nicht verstanden haben. Was er gemacht hat, mag vielleicht als Kompliment gemeint gewesen sein (wir wissen: intent isn’t magic), war aber keines. Die erste Unhöflichkeit war, die vielen anderen Frauen auf der Veranstaltung nicht als schön anzuerkennen, politisch aktive Frauen, Frauen, die ihre Schönheit durch ihr Selbstbewusstsein ausstrahlen, die leuchten. Die andere war seine Herangehensweise. Die zwei sind alleine, ich setz mich mal dazu und drück ihnen meinen Kommentar zu ihrem Aussehen auf, erzähl ihnen, wie ich mich mit anderen über ihr Aussehen unterhalten habe, setze voraus, dass sie das interessiert, interessiere mich nicht dafür, ob sie das interessiert. Das ist respektlos, creepy, objektifizierend. Das ist kein Kompliment, sondern eine unangenehme Anmache. Er hätte das nicht gebracht, wenn ein anderer Mann dabeigewesen wäre, darauf verwette ich meinen ersten selbstverdienten Kreuzer.

Als ich bei SternTV auf die Frage, ob Komplimente sexistisch seien, nicht mit nein antwortete (kann man hier nachgucken, ich werde das aber nicht tun, kann also nicht Wort für Wort wiedergeben, was ich da gesagt habe), bekam ich dafür Haue und Kopfschütteln, schon im Studio. Dass man in einem 8-Minuten-Beitrag, der sich wie 4 anfühlt, nicht gut differenziert erklären kann, geschenkt. Die Menschen, die mir wichtig sind, haben es verstanden. Trotzdem beschäftigt mich das „Darf man jetzt keine Komplimente mehr machen1!einsölf“-Meme immer noch. Was ist eigentlich ein Kompliment? Wann ist ein Kompliment ein Kompliment? Was macht ein Kompliment gut? Und was macht ein Kompliment sexistisch?

Ein ziemlich gewöhnliche Methode, Komplimente sexistisch zu machen, ist sie in einem falschen Setting zu geben. Das finde ich fast eine Nummer fieser als ein offensichtlich unangebrachtes „Geile Titten“ in Bürozusammenhängen, das sich leicht nicht nur als sexistisch sondern auch als sexuelle Belästigung benennen lässt. Sexistisch ist auch, nach einem Vortrag, in einer Situation, in der man inhaltlich ernstgenommen werden will, fürs Aussehen gelobt zu werden. Und wenn es nur so etwas ist wie „Warst du beim Friseur? Sieht gut aus!“; das lenkt ab, verunsichert gegebenenfalls, ist respektlos.
Davon abgesehen halte ich Komplimente über das Aussehen von Frauen insofern für sexistisch, als dass Frauen von Kleinkind am meisten dafür gelobt werden, wie sie aussehen, als sei es der förderungswürdigste Wert an ihnen, sie wachsen damit auf, nach ihrem Aussehen beurteilt zu werden, lernen, dass es ständig zu optimieren sei. Auch durch Komplimente. Sexist & fucking annoying.

Ich bekomme gerne Komplimente. Die liebsten haben mit Sachen zu tun, die ich kann, die etwas darüber sagen, was für eine Person ich bin. Nicht alle Komplimente, die sich auf mein Aussiehen beziehen, finde ich hmpf. Für meinen blauen Mantel bekomme ich oft Lob. Das mag ich, weil es weniger nur ein Kompliment für mein Aussehen ist, eher eines für meine Wahl, meinen Geschmack.
Ich gebe gerne Komplimente. Ich mag viele Menschen sehr, ich sage ihnen gerne, dass ich sie mag, was ich an ihnen mag. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass wenn ich konkrete Komplimente mache (wie „ich finde schön, wie du gerade deine Hand hältst“), Menschen sofort aufhören, das zu machen, wofür ich sie komplimentete. Wie Komplimente auf eine blöde Weise selbst_bewusst machen, dazu führen, dass man sich mit dem eigenen Aussehen beschäftigt, obwohl man gerade in was ganz anderem war.
Auch mir ist es schon passiert, dass ich Komplimente gegeben habe, die anderen unangenehm waren. Weil sich jemand nicht ernstgenommen fühlte oder das Gefühl hatte, ich höre nicht zu, weil es sich möglicherweise zu intim und aufdringlich angefühlt hat, weil jemand sich auf etwas aufmerksam gemacht sah, dass ihm_ihr unangenehm war. Dann habe ich mich im besten Fall entschuldigt. Aber nicht die Unterlippe vorgeklappt und mit „Aber das war doch nur ein Kompliment“ versucht, meinem Gegenüber ein schlechtes Gewissen zu machen.

Nur weil etwas ein Kompliment ist, ist es nicht gut. Das reicht nicht. Komplimente sind eine komplexe Angelegenheit mit freaking vielen Nuancen.
„Darf ich denn jetzt keine Komplimente mehr machen?“
Ich will und kann niemandem was verbieten. Aber ich wünsche mir, dass wir reflektieren, wann wir wem wie Komplimente machen. Unser Gespür schulen. Dafür würde ich sogar Kekse verteilen.

Empfehlung: Fiann schrieb einen klugen Text zu guten Manieren und der sexistischen Dimension von Benevolenz.

Lesepflicht für alle die skeptisch sind: Why You Shouldn’t Tell That Random Girl On The Street That She’s Hot

<3

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von Fräulein Zucker / Maren Karlson

fist bumps to my fellow feminists, furious and fine. songs of solidarity to all women who struggle. riot, rage and roses, to each one what is needed most. comfort and celebration.  to receive respect, to share safety. love, rising.

hope you have a great international women’s day.