Wie wir über Kinder sprechen

nicht in Gänze sondern in einem Detail:

Wie ich selbst über mein totes Kind und potenzielle Folgekinder spreche. Muss mir selbst auf die Zunge beißen und mir Mühe geben statt „wenn wir mal Kinder haben“ lieber „wenn wir mal Kinder großziehen“ oder „wenn mal Kinder bei uns aufwachsen/großwerden“ zu sagen. Eine Sprechübung. Wir haben schon ein Kind. Ich will nicht so tun, als sei es nie gewesen. Wir „haben“ es nicht mehr. (Kacke.)
Ich kann gut unterscheiden zwischen „Kinder haben“ und „Kinder selbst machen/selbst gemachte Kinder haben“, ich passe auf, dass ich die Begriffe präzise benutze, vor allem, wenn ich an Pflegekinder und Elternschaft von Pflegekindern denke. Und hatte einen Klickmoment, der beides verbindet:
Wäre es nicht viel schöner, wenn wir insgesamt mehr davon sprechen würden, dass wir oder andere Kinder großziehen, Erziehungsverantwortung für sie haben/übernehmen als dass wir oder andere diese Kinder „haben“? Es könnte nicht nur verwaisten Eltern die Antwort auf die fiese Frage „Wie viele Kinder hast du eigentlich?“ erleichtern, es könnte gut zutreffender für alle möglichen Formen von Elternschaft sein. Weniger sprechen über einen Status und mehr darüber, was getan wird. Das braucht nur ein bisschen Übung.
„Ziehst du eigentlich Kinder groß?“
„Wieviele Kinder wachsen bei/mit dir auf?“

Wie wir über Kinder sprechen

wenn sie noch nicht geboren sind:

Das fuchst mich auch. Und ist kompliziert verwoben mit der Aussicht ein Kind zu bekommen, das nach der Geburt sterben kann. Ich mag den Begriff „ungeborenes Kind“ nicht, erst recht nicht „ungeborenes Leben“. Unabhängig davon, dass er mich an „Untote“ erinnert, und yay, bei solchen crazy batshit-Nachrichten liegt der Gedanke an Babyzombies nah, haha. Ich bin abgestoßen von persönlichkeitszuweisenden Begriffen für Föten, davon, wie Abtreibungsgegner_innen vor allem in den USA versuchen, Föten mit Persönlichkeitsrechten auszustatten, ich finde den Begriff Fötus voll super, weil er darauf hinweist, dass es sich nicht um eine selbstständige separate Entität handelt, sondern ein Ding in einem anderen Menschen drin. Aber ich erinnere mich auch daran, wie wichtig es während der letzten Schangerschaft war, liebevolle Namen zu haben, an der vermeintlichen Persönlichkeit meines Kindes zu stricken, weil da mehr nach der Geburt nichts mehr sein, sich nichts entwickeln würde würde. Ambivalenzen, Alter! Jetzt überlege ich rum, wie sich gut über Schwangerschaften und kommende Kinder sprechen lässt; mit Respekt, aber ohne in Antiabtreibungsrhethorik zu fallen oder sie zu füttern.

Habt ihr Ergänzungen und andere Ideen, wie man diese Dinge besser benennen kann? Wie macht ihr das?

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keep the soil moist

So viel passiert und gemacht und so viel gedacht. Gelernt. Verstanden. Wo fang ich an? Das Saatgut sortieren, ehe der Frühling kommt und mit ihm neue Erde in die Balkonblumenhalter. Ich soll Handschuhe benutzen, wegen Toxoplasmose. Das unfassbare Gefühl, etwas sagen zu können und gehört zu werden. Als existiere ich und hätte es vorher nicht. Nach allen stillen Monaten und Jahren (inkorporierte Identität). Nach sitzen und grübeln und sitzen und lesen und sitzen und hören und sitzen und knirschen was gefragt zu werden ist krass. In der Dämmerung auf dem Balkon stehen und einen Baum zersägen, wenn ich nicht denken will. Es ist gut, es ist schwer. Alles gleichzeitig wahr. Viel ist kompliziert und ich sortiere.