alone ~

(the second vowel a dove in my mouth)

found at Bohemian Musings. feeds a seed in me.
still, i need an itch more liveliness, need different people to speak with.
these fingers & weeks.

(alone closely rhymes with home. or window. all doves.)

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4/2012


Cecilia Ahern: The Gift

Weihnachtsgeschenkbuch, von vor 1 1/12 Jahren. Ich lese gerne saisonal, das hier hat sich bis nach Dreikönig getragen und ist Gelegenheit, Abschied zu nehmen vom Ressentiment gegen die Autorin und ihr Genre: Tschüssikowski! Abgesehen von der Hier kommt die Moral-Moral ist das ein sauber gemachtes, unterhaltsam geschriebenes Buch zum Gernhaben. (Fürs Schmusen sind die Seiten zu unschnuffelig.) Zum Schluss gabs einen harten Battle um meine NOOOOOIN!-Tränchen; ich habe gewonnen, aber fast hätte sie mich drangekriegt. Ahern kann ihr Handwerk.

3/2012


Henning Mankell (übers. Heidrun Hoppe): Daisy Sisters

Ein Ferienwohnungsbuch, aus der Tagesbettschublade geholt. Eine Mehrgenerationengeschichte davon, wie die Frauen einer schwedischen Arbeiter_innenfamilie leben wollen und tatsächlich leben und was das Leben so schwer macht. Daraus kann man viel machen und man kann es gut machen. Naja. Ich esse meinen Teller leer, ich lese meine Bücher zuende, aber das: uff. Tempuswechsel als dramatisches Mittel, das ich gerne wegkorrigiert hätte, weil es stolpern machte, wo der Text sich sowieso nicht richtig in Bewegung brachte. Zusammenfassungsartig runtererzählt, tell tell tell, wenig zu sehen und in Haut zu kleiden. Der Titel passt nicht recht zum Inhalt. Vereinfachte Gesellschafts- und Familiendarstellung. Figuren, die sich kaum entwickeln, auch über Generationen nicht und die nachfolgenden Generationen auch nicht. Augenrollen, immer wieder: Das Mittel, mit dem die jungen Frauen von ihren Träumen ferngehalten werden, sind ungewollte Schwangerschaften. Nach Vergewaltigungen. Immer wieder.  Das ist zu einfach. Ungefähr: „Kurz vor meinem eigenen Leben, die Erfüllung des Berufswunsches bestätigt: Oh, ich bin schwanger? Na dann nicht.“ Was ist mit struktureller/ökonomisierter Gewalt? Als sei Mankell nichts Besseres eingefallen, um zu zeigen, dass Frauen es in der Gesellschaft schwer haben. Hmnajapff. Ein dickes und ein flaches Buch, grad knöcheltief und lau.
(Lieber gelesen habe ich auf schwedisch Slumpvandring von Majgull Axelsson, die aus einer ähnlichen Grundlage etwas vielmal Kunstvolleres gemacht hat; ein Buch, das bis zum Hals geht, wenn man auf Zehenspitzen steht.)

2/2012


THE REVOLUTION STARTS AT HOME – Confronting Partner Abuse in Activist Communities

Ein Wunschlistenbuch und zackbummpoff find ich es verlinkt, als pdf und in komplett und kostenlos. Count me out wenn es um ausführlich sachliche Zusammenfassungen geht, die ihrem Sujet gerecht werden. Schnipsel: Es ist ein praktisches Buch, ein vielfacettiges; mit Ressourcen, Erfahrungen, Analysen, Gedichten. Eins mit intersectional point of view. Ein Ding, von dem ich mir wünsche, dass alle in politisch organisierten Zusammenhängen es lesen. Rechtsklick, Ziel speichern unter, los!

mig-Rant

Versuchsmäßige Meisterin der schlechten Wortspiele, die ich bin (klopfe mir gern selbst die Schenkel), steh ich trotzdem drauf, wenn präzise gesprochen wird. Calling out someone based on analysis. Bin ich Fan von. Oder: Sachen benennen können. Sachen richtig benennen können. Und nicht Sachen nennen müssen, die ja mal überhauptgarnicht für das Gespräch wichtig sind. Zum Beispiel nicht so: Sitzen ein paar Leute zusammen, die sich unterschiedlich viel kennen. Keine Superbestefreunderunde, aber alle meinen es nett miteinander. Und weil alle es so nett miteinander meinen, sagt auch niemand was Böses, als die zwei Schätzchen von Sätzen passieren:

  1. zu Person A: Was bist du eigentlich?
  2. zu Person B: Du bist Inderin? Das sieht man dir gar nicht an.

Zu 1: WTF? Erstmal die Verdinglichung im Fragewort. Objectification, anyone? Es ist immer eine Möglichkeit „ein Mensch!?“ darauf zu antworten, aber wer gefragt ist, weiß was gemeint ist und will vielleicht nicht Spielverderber sein. Also eine Nationalität nennen, die nicht zwangsläufig im Pass steht und als Identifikation mit der Erwartungshaltung  der Frage konform geht. Da kann man eine noch so vielspinnige Familienzusammensetzung und Wohnorterfahrung haben, um die geht es gar nicht. Die Frage ist Anfrage, ein (ver)einfach(t)es Label geliefert zu bekommen. Seriously: Muss das sein?

Zu 2: WTF? Was sind denn bitte Antwortmöglichkeiten auf sowas? „Oh, danke!“ oder „Wirklich, findest du?“ Wie wäre es mit: „Interessant, dass du deine eingeschränkte Ansicht darüber, welche optischen Facetten für meine Ethnizität typisch sind, mit mir teilst“ oder „Cool, dass du definierst, wie Inderinnen aussehen und ich deiner Definition nicht gerecht werde“ oder „Wieso ignorierst du in deiner Zuschreibung meine anders lautende Staatsangehörigkeit?“. Der Kommentar kein Kompliment (und wenn er eins wäre, wie abgefuckt!), er ist nur eine Verlautbarung eigener Vorurteile und wie das Gegenüber diese Vorurteile nicht bestätigt. Seriously: Was soll das?

Es ist pupsegal, dass die Sätze mit freundlicher Neugier gestellt werden. Ich kotze, aber in mich rein. Ein Ding ist: wenn die Fragen von Leuten gestellt werden, die jahrelange linke Politikerfahrung haben, dann kann ich nicht recht glauben, was ich gehört hab, und fühl nicht als Nicht-BFF auch nicht berechtigt, die zu schimpfen oder einen Tag später im Privaten darauf hinzuweisen, warum das blöde unnötige Sätze sind. Das andere Ding: ich komm mir auch nicht gerade berechtigt vor, Anwältin der Gefragten zu spielen und für sie zu sprechen, wenn ich nicht weiß, wie okay das für sie ist oder nicht, und will auch keine Szene machen, wenn die das nicht wollen. (Ich trau mich ja schon nicht, eine Szene für mich selbst zu machen, aber das steht auf anderen Blättern.) Also nur so rumkotzen? Was tun?

Request: Strategies for shy people to further social change in everyday life

Dann eine Addition in Sachen Präzision: Ich bin ein „Mensch mit Migrationshintergrund“. Funny thing.
Wenn Menschen, denen ich so in echt und im Fernsehen begegne, den Begriff benutzen, meinen sie unterschiedliche Dinge, die weit über die allgemeine Definition des Statistischen Bundesamtes hinausgehen. Demnach, und ich zitiere ein Zitat von Wikipedia, meint es „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem nach 1949 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“.
Der Begriff ist so weit, er reicht als Kategorie für IGENDWAS nicht aus. Er ist so groß, dass er weiße bildungsprivilegierte Mittelschichtsmädchen ohne vom Deutschen abweichende Mutterspracherfahrungen miteinschließt. Er wird nicht nur als eine als höflich schlecht verkleidete Form, „Ausländer“ zu sagen benutzt, und alle wissen, was gemeint ist (Subtext, my ass!), er ist scheiße unpräzise und funktioniert nicht. Warum etwas benutzen, das nicht taugt? Warum, (es ist fast albern!) wenn man verallgemeinernd über eine Gruppe mit bestimmten Eigenschaften spricht, einen Begriff benutzen, der diese Verallgemeinerung noch weiter verwischt? Warum das überhaupt als Kategorie oder Beschreibung nutzen?
Wie die Fragen von oben: Lieber lassen. Seriously.

1/2012

Antonia Meiners (Hrsg.): Kluge Mädchen oder wie wir wurden, was wir nicht werden sollten

Ein Ferienhausbuch, ein schnell durchgeblättertes; eine Collage. Darin die Erinnerung an einen abgefahrenen Hinweis in einer Broschüre für Ehefrauen, in der Menstruation damit erklärt wurde, dass die Gebärmutter blutige Tränen weine, weil sie wieder kein Kindlein beherbergen dürfe.
Das erste Buch des Jahres.

auf den Weg bringen

Zum Neuen –
Was werden soll, liegt in Wimpernwünschen, wie üblich. Was ich selbst machen will, ist was anderes, das darf man sogar sagen. Schwarzer Tee und weiße Balken. Ich will Dinge in Wochen wickeln; Bücher lesen, Freund_innen treffen, eins pro. Ich will Politik, will Feminismus nicht nur lesen, sondern machen, ich will herausfinden, wie das geht. Will studieren, mit diesem Trick: Leistungsnachweise nicht dafür da, nur zu zeigen, dass man was kann (statt was zu können), sie sind Festhaltepunkte, sich auf den Weg zu machen, was zu lernen (den Zweck zum Mittel machen). Ich will Hände ausstrecken und mit allen Fingern Menschen finden Freunde greifen. Sachen in die Stadt pappen. Worte in die Welt halten, die weiter ist als was in mir wohnt. Ich will Tiere streicheln und drauf kommen, was ich JETZT (immer jetzt) für mich besser machen kann. Leben und atmen und Wind in den Wimpern. Ich will, und das ist das Schönste.