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tab trouble, Nov 22nd

„In the Erotic Entertainment section of Hustler, which I wrote for and edited, I probably never used the word ”woman.““

„If you wanna be respected in tech as a woman, don’t call yourself a girl.“

„To be a boy really means not to be a girl, to be a man means not to be a girl, to be a woman means not to be a girl, to be strong means not to be a girl.“

(The last one offers substance on why I’m a radical feminist. An elaboration about this is on its way.)

Wannenanfänge

Liegewege ausprobieren. Mehr als den Amélie-Soundtrack hab ich nicht auf dem Baby-Computer, das passt gut ins Bad, half vor Jahren, zwischen Zähneputzen und Gesichtwaschen für die Mittelstufe wach zu werden. Im Tassenhalter der Wannenablage ein Stumpf Kerze, das erhellt die Tastatur weniger als das Bildschirmlicht. Ich würde Wärme heiraten, wär ich nicht so gegen das System. Ein heißer Teich mit Tisch drin, und Strom, den wünsch ich mir als Benefitfriend zum Schreiben. Es ist gut, eine Uhr dabei zu haben. Es ist gut, sich vorher auszudenken, wann’s auch mal gut ist. Noch zehn Minuten. (Nicht hier drin, um sauber zu werden.)
Wie schade, dass ich nicht aufhebe und teile, was ich im Netz lese, anstatt mit Büchern auf dem Bett zu liegen. Schade, nicht in Regale räumen zu können, was mich in Schrift schlau macht. Wenn ich mit den Pobacken am Wannenboden festklebe und mich lospropfe (au), bellt ein Hund in der Nachbarwohnung. Noch zwei Minuten. Der alte Schreibtrick, der nicht billig, der mehr Haltung ist, ich will ihn, in Disziplin. Write daily. (Write daily!) (((WRITE DAILY.)))
Ich trödele, sieben Minuten drüber. Wunsch: Der Versuch den Winter durch, Maus, die von warmen Farben erzählt. Sommerkinder fangen Sonnenstrahlen. In der Wohnung drunter schreit ein frischer Tragling. Es ist ein Projekt. (Bis zum Jahreswechsel 40 Tage.) Wie das Wasser die glänzende Haut hochdampft. Korallte Bläschchengruppen drauf. Ich trockne mich jetzt ab. Auf etwas warten, dass ich mir nicht wünsche, das noch in der Zeit ist. Ich kann auch ohne Strohhalm Schaumwasserblasen schlagen. Nehmt mich beim Wort. Vorweihnachtsgeschenke kann ich gut.

Arrival

Foto von Klaus Hausbalk

In ein Gleißen schrägt ein Typ nen groben Satz hinter mir vorbei. Ein Gleißen, dem ich entgegenschwimme, ich verfang mich nicht an schimmerrandigen Menschensilhouetten. Der Satz ist längst mild, so sehr habe ich ihn vergessen. Am Bahnhof ist das grelle Licht eine Kugel, immer mir voraus, thus I follow. Wie die Magnetwirkung von Umarmsalzstreuern, aber klick macht es nicht. Ich habe eine bunte Waschmaschine zur Handtasche. Die schwenke ich ein wenig, wenn ich Sympathien auf mich ziehen will. Doch ich bin für mich und für mich atme ich in meinen Sitz und ich allein ess weiße Vanilleschokolade, die ich nur dazugekauft habe, um mit Karte bezahlen zu können. Eine Frau fragt nicht, ob neben mir noch Platz sei und duftet sehr erwachsen. Am Ankunftsort riechen die Straßen nach Katzenfutter, in alt und nicht die saftsame Dose frisch geöffnet. Wie unterschiedlich schwierig Ankunft und Aufbruch mir mal waren, und Reise: es ist alles nur Zeit, die vergeht. Das Wort Arrival lässt sich aufstolpern, wegditschen wie flache Kiesel, wenn man’s kann.  Später gibt es Eisnebel, wir hoffen auf ein Sonderangebot für Handschuhe in der nahen Einkaufsladenfiliale, wir frieren und staunen über die glatte Zufahrt. Diese Stadt froststöhnt, nur wer macht ihr jetzt eine Wärmflasche?

Blattspiel, freihand, zurückliegend.

Mein Atem schlägt Wölkchen, uns fehlen die dünnen Trinkpäckchenstrohhalme, um Rauchen zu spielen. Kaltwach, Frankfurt. In einer anderen Stadt stehen noch Tomaten auf dem Balkon, ich nehme das an, denn es ist eine andere Stadt und ich nicht dort. Will die Friergewächse ins Zimmer ziehen, aber die regeln das da schon, wo ich müder geworden bin nachzufragen. Es ist Zeit, träge zu sein. Nebenan schläft ein Bär und ich mach auch nicht mehr, als zu schlafen, den Tag lang und dann ist es schon so schnell wieder dunkel. Bin nicht hin- und hergerissen; da, wo ich mit dir bin, will ich bleiben, für mehr bin ich zu müde. Den Wecker haben wir als Versuch im Kopf, eine selbstgesetzte Deadline, an die sich niemand hält. Gingen wir morgen ins Frische, flohmarktflanieren, ich hätte die Kamera nicht umsonst von der einen in die andere Stadt getragen. Ich trage sie auch wieder zurück. Aber ja, Nase im Wind und ihn essen wollen (der Duft!), erneut unnütz Bücher kaufen oder vielleicht finden wir ja ein Fahrrad, eines, das niemand als geklaut wiedererkennt und uns haut.
Sich Zettel und Aufkleber vom Einwohnermeldeamt zu holen reicht nicht weit: Gelegenheit,  denen entgegenzukommen, die empfehlen, „meld dich doch mal!!!“, aber mit wem beginne ich gerechterweise? Wie kann ich für andere außerhalb eines Bettes wach sein, wenn meine Glieder in Textilien liegen? Du sagst Herbst und ich Winter, trübe Feinsicht auf kalte Fenster. Elan wäre ein schöner Vorname. Ich habe Angst, sage ab und kann atmen. Kann meine Hand noch zweimal in ein Fell legen. Mich an dir stark sehen und du dich an mir wach.
(Ein Geheimnis verraten, das es noch nicht gibt, wie vor Dezember von Adventskalenderüberraschungchen erzählt. Das ist kein Fest.)

***

Habe auf meinem Zeigefinger einen Ring mit Glasklunker in Herzform. Den Millimeter, den er zu weit ist, rutscht er immer zur Seite, der Mittelfinger schiebt ihn im Tippen von sich. Ich klicke häufiger als ich tippe. Las die letzten Tage viele Texte zu ‚Silencing Women on the Internet‘, mit Schrecken und Erkenntnis, dass es keine argen Kommentare braucht, um mich still zu halten. Ich kann hier machen, was ich will, aber ich glaube, es taugt nicht, weil nicht gut genug für, weil nicht von Wert. Dass es anderen gefällt, ist nicht mein Lohn, es ist meine Legitimation. Inneres Ressentiment gegen mein eigenes Schreiben, mein eigenes Sprechen, mein eigenes ästhetisches Urteil.
Ich will Schönheit mit Substanz. Leichtigkeit aus vergangenen Wannenwassern, ich will dich wiederhaben.

*

(an so Absätzen so drei Stunden rumdenken.)