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(2) Hedwig Dohm (3) found via fuckyeahfeminists

Wearing glasses, fighting lookism. I will never give in. We’ll rise up. Will ring & tell & toll & call out all the wrongs. Being a feminist should be like breathing. Guns gone, open mouths loaded. Can’t hold us down when we’ll speak up. Goods ’n‘ greatnesses ahead. Head up high. I will – breathe.

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Lesung Nr. 14

Foto: Franziska Lindner

Römerrahmen. Ein Inhalt zwischen Fragestunde und Amtsverlängerungswahl. Es geht alles gut, bis es mir nicht gut geht und ich gehe. Als sei’s nicht mehr mein Haus und der Gedanke, dass es das sei, nicht mehr als ein abrupfbares Gedicht an einer Stange. Ich kann mir nicht leisten, dass es mich schlau mache, aber ich kann immer noch von den Stufen hüpfen. Ich bin immer noch nicht das Geländer runtergerutscht, aber das mit Marmorsocken hat schon mal geklappt. Ich trau mich nicht in rote Sofas, weil ich fürchte verscheucht zu werden. Es könnte sein, dass Menschen nicht glauben, dass das mein Haus ist, dass ich hier zuerst war, dass ich hier war, als es noch nicht war. Nicht Haus noch Institution. Das reicht nur für mein Innen. Das Außen: Es geht nicht um Eintrittsgelder und Veranstaltungen. Es geht um ein Dach über dem Kopf. Will kommen. Kann nicht. Sang lang nicht flussnah das. Bin lieber für immer fremd, als nicht zurückgemocht zu werden. Siez mich, wenn du nichts von mir hältst außer Abstand. (Liebe*r nicht.) Spätestens gehen, wenn einem die drei offiziell wichtigen Menschen gegenübersitzen und nicht sehen, dass man weint. Salzwassernass, aber ich werde nicht mehr wachsen. Mairegen machte mich nicht groß genug.

Nachtrag: Rundschauartikel

Gelesen haben 5 Mädchen und 7 Jungs.
Besprochen wurden 1 Mädchen und 5 Jungs.

Ich möchte eine mathematische Gleichung daraus machen. Ich mache eine These mit Forderung daraus und die geht so: Es muss davon ausgegangen werden, dass von Lesenden mehr Jungs als Mädchen besprochen werden. Wenn man eine Geschlechtergleichheit in der Rezeption haben will, sollten mehr Mädchen als Jungs lesen, damit das ausgeglichen ist. Ich will das. Ich finde das nicht vor.

Fan[t]as[t]ie

Nach Nacht mit Arbeit in Uhrzeiten, in denen andere Internetmenschen nur säuseln, es stiller ist, die Ablenkung innen wie außen weniger, nach Nachtarbeit zwischen Tippen und Grübeln und Sitzen, nach Nacht fast Tag am Start. Alle schlafen. Da dann spazieren gehen. Ich zieh mir meine Schuhe an (Klettverschluss), auf dem rechten steht außenunten am Rand  „this is a low“, eine Referenz, eine Reminiszenz. Ich nehme meinen Schlüssel mit. Es ist bemerkenswert nett, sich  in hellwerdenden leeren Straßen zu bewegen, nichts kaufen zu können, nur zu gucken und vielvielviel zu sehen, obwohl niemand Sachen macht. Zum Beispiel Kaninchenkinder unterarmnah, Regenwetter, Schaufensterlesezettel. Eine große Runde; hungriger und müde zurück. Dahin denk ich mir was Schönes aus: Stell dir vor, du gehst heim zu dem Menschen, mit dem du zusammenlebst, nach Spaziergang nach Arbeitsnacht. Dein Mensch schläft vielleicht noch, du deckst euch beiden einen Frühstückstisch, du weckst, du hast auch Wecken geholt, und Brezgen. Meinetwegen eine auf dem Weg gerupfte Gänseblume in einem Schnappsglas zwischen den Tellern. Du setzt was Warmes zu trinken auf, weckst deinen Menschen und milde wie trunken sitzt ihr in der Küche und teilt Taganfang. Das Radio bleibt aus, kann auch angemacht sein. Du erzählst vom Spazierengehen und Nachtsätzen, dein Mensch zieht sich an und macht sich auf den Weg zu einer geregelten Arbeit. In diesen Aufbruch gehst du schlafen, gerne ins vorgewärmte Bett. Wachst nachmittags auf, erledigst Tagwerk, bis dein Mitwohnmensch heimkommt, Zeit genug für gemeinsame Abendplanung, wenn’s sein muss. Du treibst und trödelst in die Nacht, arbeitest so richtigrichtig bis ins Amseltröten, gehst spazieren, Taghallo, Zweitmenschfrühstück und so weiter. Ich stelle mir das schön vor für Schreiben und Sommer und sowas. Der Zweitmensch nicht romantischer Grundkern sondern Funktionsvariable zum Gernhaben. Ich stelle mir das gut vor mit Spaziergängen und in-den-Tag-hinein-schlafen als Belohnung. Ich bin grad arg müde.

[ɛs] wird.

Auf dem Laminatboden vor dem großen Balkonfenster liege ich, vor mir Schuhschachtel, Schuhverpackpapier, Unterwäschepappscheiben, Kaffeeglas, Notizheft, Stift. Die Ellenbogen auf einem schwarzen Kissen, der Bauch auf dem Boden, der Hosenknopf drückt auf eine Erhebung. Kraków loves Adana. Ich kann in diesem Stockwerk vom Boden aus den Himmel sehen, ich zeichne Kreise und Häkchen, ich sehe in den Himmel und nenne das Lesungsvorbereitung. Sammle noch Sachen und machen muss ich -. Ist nicht knapp genug. Faden- und Nadelspiel folgt. Aber was zieh ich an und aus den Händen hoch zum Mikrophon?

Imperativ: Donnerstag, 16. Juni, 19.00 Uhr, Literaturhaus Frankfurt

Archivalien, Vigilien

Ich habe das alles auf CD. Ich habe das alles auf Kassette. Ich habe das alles in Kisten und in Postpaketen. Die Kassetten missbeschriftet, die CDs in ihren Kästen noch nach Farben geordnet, ich finde nichts, aber ich habe das alles. Ich verzweifele über Youtube, für das ich zu oft im falschen Land wohne. (this time: FUCK U MG.)

Ich muss das nicht besitzen, ich will nur darauf zurückgreifen können. Weiß nicht, wo ich meine Datenträger hinräumen soll, es fehlen noch Regale. Digitalisieren und verschenken wäre nett. Festplattevoll und dann? Ist so: Alles haben zu wollen doch nur, um jederzeit darauf zugreifen zu können. Wenn ich das kann, ohne etwas zu besitzen, bin ich frei. Und dann kommt ein Hai und ich nicht so „Iiih, shriek“ sondern eher „wow, woah!“: Grooveshark liberated me. I actually am free. Now I know. Now I dance –

Denkt mich euch so:  Ein Leibchen, ein Kugelkopfhörerkopf, die Musik so laut, dass man kein Pupsen hört, die Hände auf den Lautsprechern auf den Ohren, die Hände in der Luft. Hellgrünes Headbanghaar, das macht, dass man am nächsten Tag den Nacken wegen Weh nicht nach vorne kippen kann, das macht hellohluja! Praise & embrace was Nacht ist, was wach ist, was tanzt. Ich schwöre, ich schwitze nicht, weil es hier so heiß ist.

All die Musik, die ich mit mit 14 bei Napster heruntergeladen habe. Das ist ab Mittwoch zehn Jahre her. Anniversarzeit, Jahrzeit. All die Musik, die dazwischenliegt, in Kisten und im Kopf.

She likes to move / ‚Cause I’m a free bitch, baby / Zeig mir dein Gepäck, komm schüttel Bug und Heck / See me, single and free, no tears, no fears, what I want to be / Turn it up ‚Cause it turns me on / It’s tearing up my heart / Hey you, what do you see? Something beautiful, something free? / Look at me I gotta case of body language / Zuviel Kraft in der Lunge für zu wenige Trompeten / Terracotta terracotta terracotta PIE! / […]

(Etwas teilen wollen, das man nicht teilen kann, weil es nur in allein geht. Ich liebe ohne Rezipient*innen, das ist allerleichtestens.)

Blütenlese

We have need of a soothing story to banish the disturbing thoughts of the day, to set at rest our troubled minds, and put at ease our ruffled spirits.

Müll würde machen, dass dieses Zimmer kein Kitsch wäre. Müll macht das macht nichts. Taschentuchtauben auf dem Tisch. Das Tanka-Buch auf der Toilette spricht von Kissenworten. Ich kann nur raten, was das meint. Makurokotoba. Taschentuchtiere, daneben ein ein Milchkännchen mit drei dickblühenden Rosen drin; cremeweiß, cremerosa, zartrosa. Taschentuchgefeder, ich weigere mich, das Allergie zu nennen. Ich pack mir lieber eine Schere in die Tasche, um behender zu pflücken. Sie rankt sich entgegen, die Stadt mit ihrem Stolz in Blumen.  Eine Überflut. Wie die Ostsonne mit Glitzerklebefolierollen spielt, ein Kinderspielelicht. Neonflimmerlid, ich leg mich, ich bette mich in. Und unter den Spitzenborten, die mein Betthimmel sind, ist immer noch ein Platz frei. Meine Matratze trägt. Mein selbstgebauter Lattenrost hält viele meere aus. Später äße man Suppe aus Kokosmilch und roter Beete. Das gäbe gute Flecken auf der weißen Decke. Man könnte die Taschentuchvögel darauf heben.