Trà, Bông lài

Das hab ich mir aufgehoben. Der Brauch ist ein neuer, ich trinke warmes Wasser aus dummen Gründen, ich trinke davon viel, ich trinke es aus einem Sektglas, damit es festlicher ist, das Sektglas ist ein Wasserfleck, ich kippe das Wasser von meinem Bembel in das Sektglas, damit es ein Akt ist, ich hole es vom Toilettenwaschbeckenhahn, daraus direkt warm in den Krug oder mit einem kleinen Messbecher, im Wasserkocher heißgemacht und dann in das graue Tongefäß. So trinke ich warmes Wasser aus dummen Gründen und denke, mit Geschmack wäre was. Tee, das wäre was (das wäre das), aber nicht wie Tee, warmes Wasser mit etwas Geschmack, nur ohne Zucker und ohne Milch. (Die dummen Gründe.) Kräuterfärbung. Ich suche nach Beuteln, ich habe kaum Beutel, ich habe in Beuteln: guten Schwarzen (Geschenk), der ist zu schade, ich habe glücklichen Braunen (Geschenk), der schmeckt mir nicht, ich habe langweiligen Bunten (mitgenommen), der ist fad und Standard. Ich habe da noch was anderes.

Der Text, den ich lese, spielt in Shanghai. In dem bin ich drin, obwohl ich mich ablenke, das Teefach konzentriert ansehe. Es ist gut zu überblicken. Es ist leer genug für Zigaretten von 2008, Vitamintabletten und scharfes Pulver von Asia-Nudelsuppen und immer noch viel Platz. Ich muss wieder Tee kaufen gehen. Ich muss nicht Tee kaufen. Ich hab noch was mehr. Das hab ich mir aufgehoben.

Seit Jahren habe ich Franz, Onkel Franz, nicht mehr gesehen, ich weiß nicht mal mehr, ob wir ihn Franz oder Onkel Franz nannten, er ist ein elternalter Großonkel, hat braunes Haar und mag Modellflugzeuge und Modelleisenbahnen. Als Ingenieur reiste er um die Welt und überraschte mich in Schweden mit Postkarten von um-die-Welt. Das war bevor. Von ihm habe ich Tee, das ist so lang her, ich weiß nicht mehr genau, woher und wie er zu mir kam. Ist Tee von um-die-Welt, den mir bestimmt sogar Oma Glaser schenkte (so lang her!), Uroma (meine), seine Mutter, Maria Glaser, die mir eine Liebste war. Der Tee seitdem unangebrochen von ihrer Seidenhand in meine, von Schrank zu Schrank und immer plastikverpackt. Pappschachtel aus Vietnam, in Blumen. Den hab ich mir aufgehoben.  Für jetzt, Bilder sagen Beutel, für jetzt, das Wasser hält den Bembel warm, für jetzt.

DOSAGE:
Take out, put into a cup
Pour boiling water. That’s all.

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Pollen

Staubige Knollen. Mit dem Löffelfuß zerstampft, mit dessen silbernem Kopf man mampft, zerbasert, buff buff, knnrrp. Crunchkugeln in Milch, erst die Krümel verbreit, dann aufgegossen. Tierlich. Zer- nicht verstoßen. Mag ein Schaf im Nacken haben, Fell hin zur Haut, wuscheweich, wuscheweiß. Warm wie dieser sandfarbige Staub im Mund. Das Bienenpolleneinweckglas hat einen Blumendeckel. Das nur am Rand. Soll so gesund sein. Oder popeln, wenn einem das Essensgeld ausgeht. Verhustet man sich nicht dran. Liegt nicht Belag. Wär veganer. Muss man nur warten, bis keine weißen Pulverkrümel im Popelschnitzel mehr kleben. Wär sonst ja bäh.

Minze

Wenn ich nicht will, dass die Nachbarn mich in der Küche sehen, koche ich Wasser im Topf, bis die Scheibe zudunstet. Dann schreibe ich Worte rein, nicht spiegelverkehrt, so weit geht das Sendungsbewusstsein nicht, schreibe Worte rein, die sich reimen. Dahinter trinke ich Wasser mit Geschmack. Grünes, heißes Wasser, die drübergehaltenen Hände autschen  vom Dampf. Die Stangen sind nicht mit Paketschnur verknotet, bloß umwoben, wenn man sie anstippst, bröseln sie los. Die Blättchen, die nicht wegknicken, die pflücke ich einzeln ab, die lege ich ins Filtertäschchen. Den pulvrigen Rest aus der Plastiktüte hinterhergeschüttet. Geschenkt bekommen, den einen kleinen Strauch. Siebenmal aufzugießendes Gut. Dann muss ich um Neue bitten.

so’n Wunsch, schon wieder

Einmal, mindestens, mit ausführlicher Probenzeit, die muss da sein, einmal da mitmachen, irgendwie. Am Liebsten als Streicherin,  vielleicht ja doch nicht als Geige, weil hui, die Läufe am Anfang. Mit Kasten, mit Koffer, mit Handschuhen zu den Proberäumen, mit der Pultnachbarin Schwätzchen und Witzchen, Bleistiftnotizen ins Heft, an den schwierigen Stellen geschummelt. Ist natürlich Schnee draußen und die Aufführungskirche bei der Generalprobe noch nicht geheizt, dass wir alle Frost in Wolken atmen. Bis dahin werde ich Kinder haben, bis dahin wird meine Crew vielleicht so akademisch sein, dass kaum einer checkt, was das bedeutet. Im Orchester noch die wenigsten. Das ist egal.

Krasse Aufführung. Die Aufteilung des Orchesters! Wie der Dirigent steht und nach hinten dirigiert! Dass auch die Zuschauer ihn mal von vorne sehen können! Und er tatsächlich das Rezitativ singt! Noch ein Ausrufezeichen!

das gute Leben

führen:

einen kugeltiefen Kaffeelöffel benutzen, um Pulver ins Filterpapier zu heben

einen Unterteller zur Tasse suchen, den richtigen nehmen

Zucker auf den Tassenboden legen

Nachtarbeit

oder im Januar schon ein Kissen Erde kaufen, in Erwartung von und auf

dahin dann

Schwappbewegung. Badebilder für die computerinterne Webcam. Es friert, weil ich nicht überheizte. Ich will schwitzen. Dann das. Es regnet. Regnet auf Arm und Tastatur. Wetterzyklus von der Wanne an die Decke der Dampf dann plitsch. In mini. Es sind Kosetropfen. Eins zwei drei, ein falsches Blond für mich, ein Wolkenblond, ein Knoblauchblond, ein Oberflächenspiel, ein Spiel, aber nicht lügen! Lieber lernen und echt und ich. Dieses Mal wird anders. Diese Dinge. Dahin. Dann Abtrocknen. Heizung aus. Fenster auf. Los!