Archäologie von zwei Tagen. Was Brüderle (nicht) mit #aufschrei zu tun hat.

In ihrem Artikel zum 1. Jahrestag von #aufschrei schreibt Hannah Beitzer “Was genau der Auslöser für die Twitterkampagne #Aufschrei war, in der zahlreiche Frauen Sexismus und sexuelle Belästigung öffentlich machten, lässt sich im Nachhinein nicht mehr so leicht sagen”. Ich denke: Leicht vielleicht nicht, aber doch genauer. You could have just asked me.

Ich stelle Schaufeln bereit und grabe voran. Eine Aufmerksamkeit für Alltagssexismus, für sexuelle Belästigung, für Victim Blaming und Derailing ist bei mir schon länger vorhanden. Ich lese vor diesem Januar 2013 regelmäßig auf everydayssexism und hollaback, sammle, seit ich in meinem Schuljahr in Schweden 2006 mein offizielles Feminist Awakening hatte, feministische Blogs in meinem Feedreader und verbringe 2011 und 2012 hauptächlich mit Bloglektüre, weniger mit Schreiben. Ein Interesse an Texten zu Sexismus, das vor allem so funktioniert: Lesen, zur Kenntnis nehmen/anerkennen, Tab offen lassen zur Referenz, bis ich aus Versehen alle Tabs schließe und den Verlust beklage.

Enter Laura Himmelreich. Die Ausgabe des Sterns, in dem ihr Portrait zu Brüderle gedruckt ist, kommt am 24. Januar raus. Das e-Magazine ist schon einen Tag früher zu lesen. Himmelreichs Portrait wird zusammengefasst zur Nachricht gemacht und kommentiert. (Zu lesen ist das Portrait ab dem 1. Februar 2013 hier.)

Am 23. Januar um 16.46 schreibt Antje Schrupp auf Facebook:  “Also echt, das war doch Jahrzehnelang so üblich, und jetzt soll man das auf einmal nicht mehr dürfen?” und verlinkt auf diesen Artikel auf spiegel.de. Ich verfolge die Kommentare, wie ich auch an anderer Stelle eher aus Distanz beobachtet habe, wie aus Himmelreichs Portrait eine Nachricht gemacht wird. Ich habe ihren Text selbst nicht gelesen und merke, dass die, die ich dabei beobachte, wie sie abwehrend auf den Text reagieren, ihn auch nicht gelesen haben. (Laura Himmelreich schrieb an dieser Stelle dieses Jahr selbst schon, Brüderle und sie seien Projektionsflächen gewesen.)
In Antje Schrupps Kommentarstream geht es wie an anderer Stelle darum, dass Himmelreich zu spät mit ihrem Vorwurf (den ich in ihrem Text selbst nicht als Vorwurf sondern als Analyse lese) komme, als dass er noch gültig sein könne, dass über Brüderle hergefallen würde, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung zu denken gebe, Himmelreich prangere etwas an, was sie sofort hätte öffentlich machen müssen. Was Brüderle gemacht habe, überrascht mich nicht, ich halte den Sachverhalt für ausgesprochen glaubwürdig und für alltäglich. Was mich anpisst, sind die abwiegelnden und ablenkenden Kommentare, die Himmelreichs Text verdrehen, sich auf sie statt auf Brüderle konzentrieren, oder die abwegige Ansprüche an dieses Portrait stellen, als hätte es nicht die Funktion eine Facette eines Politikers beschreiben (diese Facette ist sexistisch, ist übergriffig? Color me surprised! DSK or Weinergate, anyone?), sondern wäre eine Anzeige gegen Brüderle, die erst auf Rechtmäßigkeit überprüft werden müsse.
Und ich erkenne das Muster hinter diesen Aussagen. Ehrlich gesagt hatte ich fresher und ausfühlicher in Erinnerung, was ich selbst in diesem Kommentarstream kommentierte, aber gut. Das Muster entspricht Victim Blaming; die Verantwortung wird verschoben, der von Sexismus betroffenen Person werden Bürden aufgelegt, unter welchen Bedinungen sie sprechen darf.

Am 24. Januar veröffentlicht Maike auf kleinerdrei den Text Normal ist das nicht. Sie erzählt von eigenen Erfahrungen mit Street Harrasment und der Normalisierung von übergriffigen Situationen. Maike bezieht sich auch auf everydaysexism.com und andere Aktionen, die sich (hauptsächlich) mit Street Harrassment auseinandergesetzt haben, die es als Alltag, aber nicht als normal verhandelten. Von Brüderle spricht sie nicht. Aber davon, dass sie sich einen deutschen Hashtag wie #ShoutingBack (iniitiert von Laura Bates) wünscht.
An diesen Text erinnere ich mich besonders deutlich. Ich lese ihn mehrmals. Und beteilige mich in der Kommentardiskussion, weil auch hier abwehrende Kommentare am Start sind. Aber anders als bei Brüderle geht es nicht um die Kritik an einem vermeintlichen Versuch, einen Spitzenpolitiker zu Fall zu bringen. Was passiert, ist, dass jemand Maikes Erfahrungen abspricht, behauptet, so, wie sie das geschrieben habe, könne es nicht stattgefunden haben, und überhaupt, er wolle Zahlen sehen, könne nicht glauben, dass es sich bei ihren Schilderungen um Alltag handele. Bin mit einem Gefühl von “I’ll prove you wrong” in der Sache (klassischer Fall davon :D), sein Infragestellen von Erfahrungen, die Erwartungshaltung und dann Ignoranz von Quellen macht, dass ich die Faust gen Himmel schüttele.

Am 24. Januar veröffentlicht auch Mina einen Text über den Alltag von Sexismus und Grenzüberschreitungen anhand von Brüderle und dem was Annett Meiritz mit der Piartenpartei erlebte, sie verortet es in Machtstrukturen. Sie schreibt, dass wir eine Debatte über Sexismus brauchen. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich diesen Text am 24. Januar gelesen habe oder ein paar Tage später. Unabhängig davon ist der Text ein Zeichen dafür, was am 24. Januar in der Luft liegt.
Auch Sarah hat das gleiche Gespür, will eigentlich etwas dazu schreiben.

Und jetzt ich: Es ist der späte Abend des 24. Januars. Ich sitze schluffig mit Netbook am Esstisch, mein Freund ist schon schlafen gegangen. Eigentlich will ich was zu der ganzen Sache bloggen, zu Victim Blaming, zu Glaubwürdigkeit und Vertrauen, zu Derailing und was hier kaputt ist. Ich will schreiben, welche übergriffigen Erfahrungen ich gemacht habe; Erfahrungen, die von außen nicht so eindeutig zu lesen sind, Erfahrungen, die unangenehm waren, die ich selbst in der Situation nicht ernst genommen habe, weil ich dachte, das gehört so, die trotzdem nicht weniger sexistisch oder belästigend waren. Ich will Erfahrungen ausführen, die ich noch nie erzählt habe, weil ich sie für eine Lappalie hielt oder annahm, man würde mir die Verantwortung dafür geben. Ich will meine eigenen Erfahrungen selbst nicht mehr infrage stellen.
Ich blogge sehr langsam und lasse es dann meist. (Auch diesen Text will ich eigentlich seit etwa einem Jahr schreiben.) Ich bin an diesem Abend zu faul den Aufwand auf mich zu nehmen, das zu verbloggen, also fange ich an, Erfahrung für Erfahrung zu vertwittern. Einige einzeln, andere, kompliziertere Fälle, über mehrere Tweets hinweg. Die Form ist angelehnt an das Wehrli-Zitat, ein Notatverfahren, das Peter K. Wehrli geprägt hat. Andere erkennen, dass da ein Muster in meinen Tweets ist, etwas, das über meine eigenen Erfahrungen hinaus geht. Jasna fragt, ob ich gerade ein Meme erfinde, ich bin etwas abgelenkt von meinen Erinnerungen, sage, ich wisse es nicht und dass vielleicht ein Hashtag fehle. Anne schlägt #aufschrei vor.

That’s basically it. Ich kann genau sagen, wann ich warum wie damit angefangen habe, die Dinge zu twittern, aus denen #aufschrei wurde. Das allein erklärt nicht, warum ein Hashtag, der um ein Uhr nachts gestartet wurde, so durch die Decke ging. Es lag was in der Luft. Etwas, für das ich Netzfeminismus in seinen vielen einzelnen Sensibilisierungspunkten, wie zum Beispiel Comics, Artikel, Vernetzungsseiten, dem Infragestellen von sexistischen Geschäftspraxen unter vielemvielemvielem mehr, die Creds zuspreche. Online-Feminismus, der sich in Offline-Aktionen wie Slutwalks wiederfand, der Verbindungen zwischen feministisch-denkenden Menschen herstellt, der die Grundlage für etwas so Dichtes geschaffen hat, das Altmedien nicht ignorieren konnten, aus dem die Debatte wurde, die Mina forderte. Wie die Altmedien damit gearbeitet haben, ist allerdings eine Geschichte für ein anderes Lagerfeuer. Heute Nacht wärme ich mich an der Erinnerung von der Nacht vor genau einem Jahr und daran, dass wir nicht alleine sind, sondern verbunden.

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Dieser Artikel von Margarete Stokowski bringt alles mit einem Knall auf den Punkt. <3
Das, was ich in meinem Text Sensibilisierungspunkte nannte, nämlich (überwiegend deutschsprachige) Netzfeminismusgeschichte führt Helga auf ihrem Blog mit vielen Links aus.

herzlisten to me

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Team Neuanfänge. Ich klopfe den Staub von meinem Fuchs-Onesie, ich wische den Tisch in meinem Schreibzimmer, kühle meine Wangen mit dem Handrücken. Wenn ich mir selbst Versprechen gebe, ist am End’ niemand enttäuscht. Mina macht es vor und es wird schön.

Mein linker, linker Platz ist frei, ich wünsch, dass dies Jahr hiermit gefüllt sei:

  • Autoführerschein machen
  • täglich schreiben
  • alleine verreisen, mich treiben lassen, ins Ausland
  • mehr analog fotografieren
  • vom Tanzen verschwitzt ein Konzert verlassen
  • Tagebuch führen
  • mehr publizieren: Bloggen, ein Zine kleben, Schreibmaschinentexte in die Stadt hängen
  • einen Pullover stricken
  • Street Art und Yarn Bombing machen
  • Harry Potter komplett neulesen und darauf achten, wie der Text funktioniert
  • einen Text zum Open Mike schicken, von dem etwas abhängt
  • mehr baden
  • mit Regenschirm spazieren
  • für jede Woche eine Doppelseite mit guten Sachen vollmalenklebenschreiben
  • Suppen kochen
  • Spoken Word schreiben und vortragen

2014 wird singen.

Nachtrag:

  • Lernen, mit der Nähmaschine zu nähen
  • Lochkamera bauen und benutzen
  • Anfangen, Türkisch zu lernen

Nachtragnachtrag:

  • Annika in Karlsruhe besuchen
  • Leute einfach so besuchen, nicht nur weil ein Termin in der Stadt ist
  • wieder einen Couchsurfing-Schlafplatz zur Verfügung stellen

picture this year

1 2Der Morgen des 25. Januar. Dokumentieren, in welchem Widerspruch äußeres Erscheinungsbild und die Wirkung meiner Worte stehen.

3Sonntag, 27. Januar. Mit einem Flugzeug und Chauffeur in ein Mehralsdrei-Sterne-Hotel gebracht werden.

4Der Abend dazu. Verkabelt im Publikum sitzen. Erst fürchten, von Jauch befragt zu werden, dann mit Mittelfinger im Herzen darauf hoffen.

5Der Morgen danach. Schlimmster Kater des Jahres, ohne einen Schluck Alkohol.

2013-02-04859218_536245143082222_1043367775_o.jpgEine Rede bei One Billion Rising gehalten, ein Bewerbungsgespräch geführt, Fieber bekommen.

IMG_26702013-03-03 20.36.37.jpgEinen Brief an den Bundespräsidenten mitgeschrieben und unterzeichnet. Ostereier gestrickt und Vögeln Körner in den Schnee gestreut.

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10.41.19Einen Autorinnenvertrag unterzeichnet, ein Essay geschrieben. Auf der Piratinnenkon eine Keynote gehalten.

mai

IMG_3119Urlaub in Südschweden gemacht, das Meer von allen drei Seiten begutachtet.

juni

9105926999_b66c2be5b6_bFoto: Grimme-Institut/Jens Becker

Stellvertretend für alle, “die sich konstruktiv an #aufschrei beteiligten”, einen Grimme Online Award entgegengennommen. In Markus Kavkas Mikrofon “Krass” gesagt, mit Jan Hofer geplaudert.

Jan Hofer so: Und, wann ist es denn so weit?
Ich so: Ende August etwa.
Jan Hofer so: Jungfrau also?
Ich so: Ja, ich glaube schon.
Jan Hofer so: Schrecklich!
Ich so: ?
Jan Hofer so: Ich weiß das, meine Frau und meine Tochter sind auch Jungfrau. (lacht)
Ich so: ???

juli

IMG_3948xAn der Tour de Fleece teilgenommen. 1293m gesponnen. Vorm Fernseher Fasern verzwirnt.

august IMG_4407xEin Kind geboren.

,september IMG_5086xDas erste Yarncamp besucht. Stillen gelernt.

oktober 2013-10-24 15.39.37.jpgEin Studium neuaufgenommen. Auf dem BarcampFrauen eine Session gehalten und ein Gedicht vorgetragen. Den ersten Geburtstag des ersten Kindes nicht vergessen.

novemberStillen verlernt, Kiefer verkrampft.

dezember2013-12-09 20.41.33.jpgDie Kleinerdrei-Crew in Berlin getroffen, Karaoke gerappt und gesungen, Margaret Cho aus der dritten Reihe gesehen. Neu angefangen, Stillen zu lernen.  Kein Abschluss, kein Abrunden, weiter, gleich weiter. Dieses Jahr, ey. Dieses Jahr.

stuck. lost.

Es ist 23.15 Uhr. Einen Taschenrechner zur Hand genommen im Zubehörfeld geöffnet. Mal ausgerechnet. Etwa 214 Seiten will ich heute Nacht lesen. Für zwei Seminare und eine Vorlesung. Für eine schriftliche Hausaufgabe bis Donnerstagnachmittag und mündlich mitarbeiten können. Nicht überfliegen, sondern mit Marker in der Hand lesen, über das Gelesene verfügen können, etwas daraus schreiben müssen, nach wissenschaftlichen Standards. I’m stuck. I’m lost.

(Wenn das Sinn ergibt – feststecken im Verlorensein?)

äh.

Eine Sache auf einmal machen. Es fällt mir so schwer. Mit Internet. How does that even work?

In unserer sprachpraktischen Übung sollten wir eine Biographie von uns als Leser_innen schreiben, wie für einen Klappentext. Ich lese nicht mehr. Was heißt: ich lese keine Bücher mehr. Ich lese Bücher bröckchenweise und habe mir das für meine Biographie so schöngeredet, das ich mir noch was übrig lassen will. Was stimmt. Wenn das Buch, an dem ich seit einem halben Jahr hänge, zu Ende ist, kann ich nicht hoffen, dass ein Blogartikel der Autorin erscheint. Wenn ich mehr von ihr oder wenn ich Bücher dieser Art lesen will, denn davon habe ich nicht viele (davon = englischsprachige feministische Sachbücher zu Reproduktion z.B.), muss ich das kaufen. Also lasse ich mir was von dem Buch übrig und lese zu dem Thema das Meiste im Internet. Dass ich keine Bücher mehr lese, heißt nicht, dass ich nicht lese. Ich lese ständig. Und überall. Lese Twitter und werde von da aus jeden Tag auf externe Texte gestoßen. Was mich schlauer macht und zwar anders als ich das bei einer Buchlektüre voraussehe. Was flirriger ist, und unorganisierter. Ich kann diese Texte in kein Regal stellen, kann nicht quantitativ darstellen, wieviel Stoff ich mir schon reingezogen hab. Ich kann nur wieder auf sie zurückgreifen, wenn ich sie irgendwie speichere oder die richtigen Suchbegriffe im Kopf habe, um sie irgendwann später wiederzufinden.  Ich mag das und will hier keine kulturpessimistische Rede halten, in der es darum geht, wie the evil interwebz Lesegewohnheiten kaputt mache. It’s not worse. It’s different. (DINGDINGDING Plattitüde.)
Mein Umgang mit dem Internet hat auch Folgen für mein Schreiben. Die sind noch weniger neu. Für Texte brauche ich ja deshalb hundert Stunden, weil ich mal was nachgucken will und dann wegdrifte. Auch im Jahr 2000 werde ich nicht konzentriert am Stück geschrieben, sondern meine Zeit damit verbracht haben, auf Beepworld und Geocities rumzulesen und zu chatten. Was auch Schreiben ist. Mit gespeicherten Chatlogs zum wieder Nachlesen.

In dieser sprachpraktischen Übung schrieben wir die Zusammenfassung eines Artikel, in dem es um die negativen Folgen von dauerhafter Smartphonenutzung geht und wie sie eingedämmt werden können. Dass Arbeitgeber in der Verantwortung seien; von selbst würde sich niemand dran halten. (Jetzt will ich einen Text verlinken, der mit dem Thema zu tun hat und verliere mich schon wieder auf dem Weg. Facebookkommunikation, Twitter-DMs, eine Adresse auf ein Päckchen schreiben. Aber hier ist er. Die Folgen von ständiger Smartphonenutzung für Romane über diese Gegenwart. Gefunden bei Caro.) Das ist ein genehmes Schulthema, es geht bei uns zwar nicht inhaltlich darum, wir sollen Schreibpraktiken (oh, what a coincidence) lernen. Und passt trotzem. Wir stehen ja alle mit Smartphones rum, statt uns anzusprechen. Was okay ist. Ich werd von meinem Telefon nicht davon abgelenkt, was zu schaffen. Gut, ich lese kein Buch unterwegs. Mein fieses Problem findet zu Hause statt. I don’t geht anything done. Mein Sachen-auf-einmal-machen-wollen hat damit zu tun, Sachen geschafft kriegen zu wollen, die ich machen will. Da geht es um Selbstoptimierung und die ist ja mehr so Team Naja. Es geht aber auch um euch. Und euch mit mir und mich mit euch und uns miteinander. Äh. Weil ich durcheinander komme, wem ich schon auf was geantwortet habe. Weil ich nicht klarkriege, auf Kommentare zu reagieren. Weil ich mir Mühe mit meiner Kommunikation geben will und das vorraussetzt, dass ich mich konzentriert an eine Mail setze und das klappt nicht weil dings. Mails zu schreiben ist mittlerweile so hart geworden wie Briefe zu schreiben. Was keinen Sinn ergibt, weil Briefe schreiben in den gleichen Zusammenhängen noch härter geworden ist. Ich habe keine Lösung. (Doch, eine kleine. Wenn ihr wollt, dass ich sofort auf irgendwas zügig antworte, nervt mich via Twitter-Reply. Das funktioniert. Im Moment.)

Eine Sache auf einmal machen geht nicht auf. Weil es nicht nur um Internet plus Meatspaceaktivität geht, sondern auch innerhalb beider Bereiche um Ablenkungen. Für einen Text brauche ich Nebeninformationen, auf denen ich dann davon treibe. Nehme mir ab und zu vor, Sachen direkt zu machen. Aber das geht auch nicht, weil ALLESAUFEINMALHILFE gemacht werden muss, wenn man für eine Sache was nachguckt und sich beim Nachgucken was Neues auftut. Und jetzt schreibe ich einen Text, in dem es darum geht, wie man Aufgaben priorisiert, statt mich darauf einzulassen, wie man nur eine Sache auf einmal macht, ob und wie das für mich gehen kann. Okay.
Einderseits romantisiere ich das Einsaufeinmal als Lebensqualität. Andererseits stelle ich es mir langweilig vor. Essen und Lesen gehören zusammen, die sind so *fingerüberkreuz*. Das erste Mal als ich meine Omi gefragt habe, ob ich beim Vesper das Micky-Maus-Magazin lesen darf, war sie nicht begeistert, aber ich durfte und wollte nie wieder damit aufhören. Dazu kommt, dass es mir wie verschwendete Zeit vorkommt, nur eine Sache auf einmal zu machen. Dabei verliere ich soviel Zeit mit rumtrödeln und verlesen und nicht wissen, was von dem Zeug, das ich gleichzeitig mache, ich eigentlich tue. Was mich zu keinem abschließenden Punkt führt, sondern so nervös macht, dass ich ein ablenkendes Tab öffnen möchte, um mich mit was Aufgabenfernem zu entspannen. Tschüssi!

oh my.

Text 1 angefangen. Als ich fuchtelnd zwischen Küche und Wohnzimmer hin- und her lief, wusste ich, was ich sagen will, hatte ich eine Idee, wie ich das sagen kann, ohne was kaputtzumachen. Dann klickte ich unkonzentriert zwischen Tabs hin- und her und das war das.

Text 2 angefangen. Für morgen, da fehlen noch Bilder bei Tageslicht, das wird schön, wenn alles gut geht.

Text 3 angefangen. Darin steht bis jetzt nur, dass ich zwei Texte anfing und nicht beendete.