herzlisten to me

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Team Neuanfänge. Ich klopfe den Staub von meinem Fuchs-Onesie, ich wische den Tisch in meinem Schreibzimmer, kühle meine Wangen mit dem Handrücken. Wenn ich mir selbst Versprechen gebe, ist am End’ niemand enttäuscht. Mina macht es vor und es wird schön.

Mein linker, linker Platz ist frei, ich wünsch, dass dies Jahr hiermit gefüllt sei:

  • Autoführerschein machen
  • täglich schreiben
  • alleine verreisen, mich treiben lassen, ins Ausland
  • mehr analog fotografieren
  • vom Tanzen verschwitzt ein Konzert verlassen
  • Tagebuch führen
  • mehr publizieren: Bloggen, ein Zine kleben, Schreibmaschinentexte in die Stadt hängen
  • einen Pullover stricken
  • Street Art und Yarn Bombing machen
  • Harry Potter komplett neulesen und darauf achten, wie der Text funktioniert
  • einen Text zum Open Mike schicken, von dem etwas abhängt
  • mehr baden
  • mit Regenschirm spazieren
  • für jede Woche eine Doppelseite mit guten Sachen vollmalenklebenschreiben
  • Suppen kochen
  • Spoken Word schreiben und vortragen

2014 wird singen.

Nachtrag:

  • Lernen, mit der Nähmaschine zu nähen
  • Lochkamera bauen und benutzen
  • Anfangen, Türkisch zu lernen

Nachtragnachtrag:

  • Annika in Karlsruhe besuchen
  • Leute einfach so besuchen, nicht nur weil ein Termin in der Stadt ist
  • wieder einen Couchsurfing-Schlafplatz zur Verfügung stellen

picture this year

1 2Der Morgen des 25. Januar. Dokumentieren, in welchem Widerspruch äußeres Erscheinungsbild und die Wirkung meiner Worte stehen.

3Sonntag, 27. Januar. Mit einem Flugzeug und Chauffeur in ein Mehralsdrei-Sterne-Hotel gebracht werden.

4Der Abend dazu. Verkabelt im Publikum sitzen. Erst fürchten, von Jauch befragt zu werden, dann mit Mittelfinger im Herzen darauf hoffen.

5Der Morgen danach. Schlimmster Kater des Jahres, ohne einen Schluck Alkohol.

2013-02-04859218_536245143082222_1043367775_o.jpgEine Rede bei One Billion Rising gehalten, ein Bewerbungsgespräch geführt, Fieber bekommen.

IMG_26702013-03-03 20.36.37.jpgEinen Brief an den Bundespräsidenten mitgeschrieben und unterzeichnet. Ostereier gestrickt und Vögeln Körner in den Schnee gestreut.

IMG_2821april

10.41.19Einen Autorinnenvertrag unterzeichnet, ein Essay geschrieben. Auf der Piratinnenkon eine Keynote gehalten.

mai

IMG_3119Urlaub in Südschweden gemacht, das Meer von allen drei Seiten begutachtet.

juni

9105926999_b66c2be5b6_bFoto: Grimme-Institut/Jens Becker

Stellvertretend für alle, “die sich konstruktiv an #aufschrei beteiligten”, einen Grimme Online Award entgegengennommen. In Markus Kavkas Mikrofon “Krass” gesagt, mit Jan Hofer geplaudert.

Jan Hofer so: Und, wann ist es denn so weit?
Ich so: Ende August etwa.
Jan Hofer so: Jungfrau also?
Ich so: Ja, ich glaube schon.
Jan Hofer so: Schrecklich!
Ich so: ?
Jan Hofer so: Ich weiß das, meine Frau und meine Tochter sind auch Jungfrau. (lacht)
Ich so: ???

juli

IMG_3948xAn der Tour de Fleece teilgenommen. 1293m gesponnen. Vorm Fernseher Fasern verzwirnt.

august IMG_4407xEin Kind geboren.

,september IMG_5086xDas erste Yarncamp besucht. Stillen gelernt.

oktober 2013-10-24 15.39.37.jpgEin Studium neuaufgenommen. Auf dem BarcampFrauen eine Session gehalten und ein Gedicht vorgetragen. Den ersten Geburtstag des ersten Kindes nicht vergessen.

novemberStillen verlernt, Kiefer verkrampft.

dezember2013-12-09 20.41.33.jpgDie Kleinerdrei-Crew in Berlin getroffen, Karaoke gerappt und gesungen, Margaret Cho aus der dritten Reihe gesehen. Neu angefangen, Stillen zu lernen.  Kein Abschluss, kein Abrunden, weiter, gleich weiter. Dieses Jahr, ey. Dieses Jahr.

stuck. lost.

Es ist 23.15 Uhr. Einen Taschenrechner zur Hand genommen im Zubehörfeld geöffnet. Mal ausgerechnet. Etwa 214 Seiten will ich heute Nacht lesen. Für zwei Seminare und eine Vorlesung. Für eine schriftliche Hausaufgabe bis Donnerstagnachmittag und mündlich mitarbeiten können. Nicht überfliegen, sondern mit Marker in der Hand lesen, über das Gelesene verfügen können, etwas daraus schreiben müssen, nach wissenschaftlichen Standards. I’m stuck. I’m lost.

(Wenn das Sinn ergibt – feststecken im Verlorensein?)

äh.

Eine Sache auf einmal machen. Es fällt mir so schwer. Mit Internet. How does that even work?

In unserer sprachpraktischen Übung sollten wir eine Biographie von uns als Leser_innen schreiben, wie für einen Klappentext. Ich lese nicht mehr. Was heißt: ich lese keine Bücher mehr. Ich lese Bücher bröckchenweise und habe mir das für meine Biographie so schöngeredet, das ich mir noch was übrig lassen will. Was stimmt. Wenn das Buch, an dem ich seit einem halben Jahr hänge, zu Ende ist, kann ich nicht hoffen, dass ein Blogartikel der Autorin erscheint. Wenn ich mehr von ihr oder wenn ich Bücher dieser Art lesen will, denn davon habe ich nicht viele (davon = englischsprachige feministische Sachbücher zu Reproduktion z.B.), muss ich das kaufen. Also lasse ich mir was von dem Buch übrig und lese zu dem Thema das Meiste im Internet. Dass ich keine Bücher mehr lese, heißt nicht, dass ich nicht lese. Ich lese ständig. Und überall. Lese Twitter und werde von da aus jeden Tag auf externe Texte gestoßen. Was mich schlauer macht und zwar anders als ich das bei einer Buchlektüre voraussehe. Was flirriger ist, und unorganisierter. Ich kann diese Texte in kein Regal stellen, kann nicht quantitativ darstellen, wieviel Stoff ich mir schon reingezogen hab. Ich kann nur wieder auf sie zurückgreifen, wenn ich sie irgendwie speichere oder die richtigen Suchbegriffe im Kopf habe, um sie irgendwann später wiederzufinden.  Ich mag das und will hier keine kulturpessimistische Rede halten, in der es darum geht, wie the evil interwebz Lesegewohnheiten kaputt mache. It’s not worse. It’s different. (DINGDINGDING Plattitüde.)
Mein Umgang mit dem Internet hat auch Folgen für mein Schreiben. Die sind noch weniger neu. Für Texte brauche ich ja deshalb hundert Stunden, weil ich mal was nachgucken will und dann wegdrifte. Auch im Jahr 2000 werde ich nicht konzentriert am Stück geschrieben, sondern meine Zeit damit verbracht haben, auf Beepworld und Geocities rumzulesen und zu chatten. Was auch Schreiben ist. Mit gespeicherten Chatlogs zum wieder Nachlesen.

In dieser sprachpraktischen Übung schrieben wir die Zusammenfassung eines Artikel, in dem es um die negativen Folgen von dauerhafter Smartphonenutzung geht und wie sie eingedämmt werden können. Dass Arbeitgeber in der Verantwortung seien; von selbst würde sich niemand dran halten. (Jetzt will ich einen Text verlinken, der mit dem Thema zu tun hat und verliere mich schon wieder auf dem Weg. Facebookkommunikation, Twitter-DMs, eine Adresse auf ein Päckchen schreiben. Aber hier ist er. Die Folgen von ständiger Smartphonenutzung für Romane über diese Gegenwart. Gefunden bei Caro.) Das ist ein genehmes Schulthema, es geht bei uns zwar nicht inhaltlich darum, wir sollen Schreibpraktiken (oh, what a coincidence) lernen. Und passt trotzem. Wir stehen ja alle mit Smartphones rum, statt uns anzusprechen. Was okay ist. Ich werd von meinem Telefon nicht davon abgelenkt, was zu schaffen. Gut, ich lese kein Buch unterwegs. Mein fieses Problem findet zu Hause statt. I don’t geht anything done. Mein Sachen-auf-einmal-machen-wollen hat damit zu tun, Sachen geschafft kriegen zu wollen, die ich machen will. Da geht es um Selbstoptimierung und die ist ja mehr so Team Naja. Es geht aber auch um euch. Und euch mit mir und mich mit euch und uns miteinander. Äh. Weil ich durcheinander komme, wem ich schon auf was geantwortet habe. Weil ich nicht klarkriege, auf Kommentare zu reagieren. Weil ich mir Mühe mit meiner Kommunikation geben will und das vorraussetzt, dass ich mich konzentriert an eine Mail setze und das klappt nicht weil dings. Mails zu schreiben ist mittlerweile so hart geworden wie Briefe zu schreiben. Was keinen Sinn ergibt, weil Briefe schreiben in den gleichen Zusammenhängen noch härter geworden ist. Ich habe keine Lösung. (Doch, eine kleine. Wenn ihr wollt, dass ich sofort auf irgendwas zügig antworte, nervt mich via Twitter-Reply. Das funktioniert. Im Moment.)

Eine Sache auf einmal machen geht nicht auf. Weil es nicht nur um Internet plus Meatspaceaktivität geht, sondern auch innerhalb beider Bereiche um Ablenkungen. Für einen Text brauche ich Nebeninformationen, auf denen ich dann davon treibe. Nehme mir ab und zu vor, Sachen direkt zu machen. Aber das geht auch nicht, weil ALLESAUFEINMALHILFE gemacht werden muss, wenn man für eine Sache was nachguckt und sich beim Nachgucken was Neues auftut. Und jetzt schreibe ich einen Text, in dem es darum geht, wie man Aufgaben priorisiert, statt mich darauf einzulassen, wie man nur eine Sache auf einmal macht, ob und wie das für mich gehen kann. Okay.
Einderseits romantisiere ich das Einsaufeinmal als Lebensqualität. Andererseits stelle ich es mir langweilig vor. Essen und Lesen gehören zusammen, die sind so *fingerüberkreuz*. Das erste Mal als ich meine Omi gefragt habe, ob ich beim Vesper das Micky-Maus-Magazin lesen darf, war sie nicht begeistert, aber ich durfte und wollte nie wieder damit aufhören. Dazu kommt, dass es mir wie verschwendete Zeit vorkommt, nur eine Sache auf einmal zu machen. Dabei verliere ich soviel Zeit mit rumtrödeln und verlesen und nicht wissen, was von dem Zeug, das ich gleichzeitig mache, ich eigentlich tue. Was mich zu keinem abschließenden Punkt führt, sondern so nervös macht, dass ich ein ablenkendes Tab öffnen möchte, um mich mit was Aufgabenfernem zu entspannen. Tschüssi!

oh my.

Text 1 angefangen. Als ich fuchtelnd zwischen Küche und Wohnzimmer hin- und her lief, wusste ich, was ich sagen will, hatte ich eine Idee, wie ich das sagen kann, ohne was kaputtzumachen. Dann klickte ich unkonzentriert zwischen Tabs hin- und her und das war das.

Text 2 angefangen. Für morgen, da fehlen noch Bilder bei Tageslicht, das wird schön, wenn alles gut geht.

Text 3 angefangen. Darin steht bis jetzt nur, dass ich zwei Texte anfing und nicht beendete.

wip wednesday

Ein Monat. 9 Veranstaltungen, plus Tutorien. Acht Dozentinnen, fünf Dozenten. Vier Tage. 16 Stunden die Woche, manchmal 22 Stunden.

Einführung in die Frauen- und Geschlechterforschung, Einführung in amerikanische Geschichte und Gesellschaft, Klassikerinnen feministischer Theorie, Propädeutikum in der Soziologie, Migration/Transnationalität/Essen, Einführung in die amerikanische Literaturwissenschaft, Integrated Language Skills.

Das sei schon viel sagen sogar Menschen, die niemanden füttern und wickeln und liebhaben müssen. (Wenn in Geschlechterforschung Carework als “Liebe als Arbeit – Arbeit aus Liebe” besprochen wird und der Vorschritt fehlt, dass man sich lieben können erst mal erarbeiten muss.) Ich habe das Gefühl, es reiche nicht aus, ich müsse alles ausschöpfen, ich sollte lieber früh viel machen, um später mehr Zeit zu haben & what about extra curricular activities? Dabei schaffe ich das noch nicht mal mit den Hausaufgaben, erledige sie in den Nächten vor der jeweiligen Veranstaltung. Die  Wochenenden nur verschlafen können. Jede Woche ein Leseaufwand von ungefähr 150 Seiten. Ich muss nicht so viel auf einmal belegen, aber die Sachen, die ich nicht im ersten Semester machen muss, die mag ich zu gern, um sie jetzt wieder fallen zu lassen. Sitze in den Seminaren und denke “Na, das wär doch gelacht”, sitze um 2 Uhr früh vor dem Reader und singe “ichkanndasnichtichkanndasnichtichkanndasnicht” vor mich hin und darauffolgend ins Kissen hinein.

Dann legt uns die Literaturwissenschaftsdozentin aufs Kreuz, verkauft uns ein Inhaltsverzeichnis von E. E. Cummings gesammelten Gedichten als unvollständiges Sonett, das sich nicht mal reimt, und ich klatsche vor Amüsemang. Zwischendurch andere Kleinigkeiten, die es leicht machen, und heiter.
Fürs Rumstehen vor den Veranstaltungen habe ich “mindless knitting” in der Tasche, kann was mit den Händen machen, wenn mein Handyakku keine Lust mehr hat oder ich schüchtern bin. Und nächste Woche spielen wir Uni-Eingewöhnung mit Baby. \o/

(Wie viel, schwierig und schön es ist. Und ich muss jetzt noch was für morgen lesen. /o\)